
Der rund 33 Meter hohe Schlossturm ist ein bedeutender Bestandteil der historischen Schlossanlage und prägt das Stadtbild von Arbon. Das heutige Erscheinungsbild des Schlosses geht wesentlich auf den Ausbau durch Bischof Hugo von Hohenlandenberg in den Jahren 1515 bis 1520 zurück. Ziel der Sanierung ist der langfristige Erhalt der histroischen Bausubstanz des denkmalgeschützten Bauwerks.
Projekt auf einen Blick
Ausgangslage
Die letzte umfassende Renovation des Schlosses Arbon erfolgte in den Jahren 1972/1973. Seither wurden am Schlossturm keine grösseren Unterhaltsarbeiten mehr vorgenommen.
Bereits 2010 löste sich ein faustgrosser Steinbrocken aus der Fassade des Schlossturms. In der Folge wurden vertiefte Untersuchungen zum Zustand der Natursteinfassade durchgeführt. Diese zeigten insbesondere auf der Süd- und Westseite des Turms witterungsbedingte Schäden und entsprechenden Handlungsbedarf.
In den darauffolgenden Jahren wurden weitere Schadstellen festgestellt. Anfang 2024 wurden erneut Bruchstücke von Steinen und Ziegeln rund um den Schlossturm gefunden, die sich vom historischen Mauerwerk beziehungsweise vom Dach gelöst hatten. Aus Sicherheitsgründen wurde der Bereich rund um den Turm daraufhin vorübergehend abgesperrt.
Die Untersuchungen der Fassade zeigten insbesondere Riss- und Schalenbildungen in unterschiedlichem Ausmass. Einzelne Schadstellen hatten die Haftung zum Untergrund verloren und lagen teilweise hohl, wordurch die Gefahr bestand, dass sich weitere Bruchstücke lösen.
Zur langfristigen Sicherung und Erhaltung der historischen Bausubstanz wurde ein umfassendes Sanierungskonzept erarbeitet. Aufgrund des zu diesem Zeitpunkt angenommenen Schadensumfangs wurde für die Kreditierung eine entsprechend umfassende Sanierungsvariante zugrundegelegt.
Am 9. Juni 2024 genehmigten die Arboner Stimmberechtigten einen Objektkredit von 2,14 Mio. Franken für die Sanierung des Schlossturms.
Sanierungsarbeiten
Die Bauarbeiten starteten Ende Februar 2025 und werden in enger Abstimmung mit der kantonalen Denkmalpflege und spezialisierten Fachunternehmen ausgeführt. Ziel ist ein möglichst schonender Umgang mit der bestehenden historischen Bausubstanz.
Zu den wesentlichen Arbeiten gehören insbesondere:
Bei den Natursteinarbeiten wird grosser Wert darauf gelegt, möglichst viel der bestehenden Substanz zu erhalten. Die Oberflächen werden schonend behandelt und nur dort ergänzt oder instand gesetzt, wo dies aus baulicher Sicht erforderlich ist.
Erkenntnisse während der Bauarbeiten
Bei historischen Gebäuden zeigt sich der tatsächliche Zustand einzelner Bauteile oftmals erst während der Ausführung. Dies ist auch beim Schlossturm der Fall.
Bei den Natursteinarbeiten wurden unterschiedliche Schadensbilder festgestellt. Im Verlauf der Arbeiten ergab sich, dass einzelne ursprünglich vorgesehene Sanierungsmassnahmen angepasst werden mussten. Im Vordergrund steht insbesondere die Sicherung gefährdeter Bruchstücke. Die unterschiedlichen Steinarten werden abhängig von Art, Zustand und Beschaffenheit mit unterschiedlichen Methoden bearbeitet.
Die verputzte Fassade im obersten Bereich des Schlossturms befindet sich gemäss den durchgeführten Abklärungen in einem guten Zustand und benötigt lediglich geringfügige Eingriffe. Der vorhandene Flechtenbewuchs verursacht keine Schäden am Verputz und kann deshalb erhalten werden.
Bei den vertieften Untersuchungen des Turmdachs wurde festgestellt, dass zahlreiche Dachziegel beschädigt sind und verschiedene wasserführende Bauteile die erforderliche Dichtigkeit nicht mehr gewährleisten. Eine punktuelle Instandsetzung wurde deshalb als langfristig nicht zweckmässig beurteilt. Das Turmdach wird vollständig neu eingedeckt.
Gleichzeitig wurden aufgrund der während der Bauarbeiten gewonnenen Erkenntnisse einzelne ursprünglich vorgesehene Sanierungsmassnahmen reduziert oder angepasst. Die daraus resultierenden Einsparungen ermöglichen es, die umfassendere Sanierung des Turmdachs nach aktuellen Planungsstand innerhalb des bewilligten Objektkredits von 2,14 Mio. Franken umzusetzen.
Besonderheiten der Sanierung
Die Arbeiten an einem mehrere Jahrhunderte alten Bauwerk stellen besondere Anforderungen an Planung und Ausführung. Neben denkmalpflegerischen Aspekten müssen auch vorhandene Materialien, historische Konstruktionen und ökologische Themen berücksichtigt werden. So wird beispielsweise während der Sanierungsarbeiten auch auf die am Schlossturm nistenden Mauersegler Rücksicht genommen.
Die Sanierungsarbeiten sind teilweise stark von den Witterungsverhältnissen abhängig. Um den klimatischen Bedingungen Rechnung zu tragen und dennoch einen kontinuierlichen Arbeitsfortschritt zu gewährleisten, arbeiten die Handwerker teilweise gleichzeitig an mehreren Steinen bzw. Bauteilen.