
Der Schwalbenbestand ist an vielen Orten rückläufig. Auf diese besorgniserregende Entwicklung machte die Künstlerin Regula Weber mit ihrer Kunstinstallation "Nester" aufmerksam. Im Sommer 2017 folgte sie der Einladung der Kuratorin Heidi Heine, die damals das Geschichtenbüro Portier Haus Schwalbe in der Altstadt von Arbon führte. In diesem Rahmen installierte Weber dreizehn Rauchschwalbennester aus Aluminium im öffentlichen Raum. Ergänzt wurden die filigranen Kunstwerke durch Textfragmente, die am Portierhaus beim Amtshaus angebracht sind. Die Texte verweisen auch auf den Schriftsteller Ernst Toller (1893–1939), der während seiner Festungshaft in enger Verbindung zu einem Schwalbenpaar stand, das in seiner Zelle nistete. Seine Erlebnisse mit den Vögeln und die tiefere Bedeutung dieser Begegnung hielt er im Schwalbenbuch fest – einem Gedichtband, der Trost, Hoffnung und poetische Reflexion vereint.

Lausche ich Euch, Schwalben,
Lächle ich meines werkenden Tuns.
Die Menschen Mitte des Weltalls?
Warum nicht die Schwalbe!
Erhebet doch, erhebet doch
Die Schwalbe
Auf den Thron des siebenten Tages.
Um des Menschen willen
Habt Ihr Menschen gemordet,
Um der Schwalbe willen,
Vielleicht, dass ihr den Menschen findet.
Und mehr als den Menschen.
Lausche ich Euch, Schwalben,
Lächle ich meines werkenden Tuns.
Lächle auch Du, Freund.

Ein Nest bzw. einen Ort zu haben, an dem wir uns geborgen fühlen und uns niederlassen können, ist ein Urbedürfnis des Menschen. In den Aluminium-Nestern wird kein Vogel nisten. Sie werden leer bleiben, denn sie sind zu hart, zu schwer, zu kalt. Aber sie machen das Abwesende gegenwärtig und laden zum Innehalten und Reflektieren über Leere und Geborgenheit ein.
Die Kunstinstallation "Nester" ist Eigentum der Bürgergemeinde Arbon und wurde der Stadt Arbon als Leihgabe zur Verfügung gestellt.