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Stadt Arbon

Schutz vor Sturm auf Arbon

Römerhof-Kanonen restauriert - Relikt aus dem Gezänke um die helvetische Verfassung. Arbon hat «aufgerüstet»: Die Bürgergemeinde liess ihre beiden im Laufe der Zeit arg ramponierten Kanonen beim Römerhof fachmännisch restaurieren.

Sie stehen im lauschigen «Römerhofgarten» und halten stumme Wacht auf der alten Stadtmauer. Zusammen mit dem schmucken Torwächterhaus und dem stattlichen Römerhof sind die beiden Kanonen begehrtes Fotosujet. Wind und Wetter haben ihnen im Laufe der Zeit arg zugesetzt. Die Bürgergemeinde als Besitzerin hat die beiden Zeugen aus der turbulenten Zeit der Helvetik fachmännisch instandstellen lassen.

Überfall auf die Stadt

Woher die Kanonen stammen, wird an Altstadtführungen oft gefragt. Frühling 1798. Unter dem Druck des Oberkommandierenden der französischen Besatzungsmacht, General Brune, nehmen die mehrheitlich evangelischen Arboner Bürger an der Gemeindeversammlung die neue helvetische Verfassung an - mit Begeisterung die einen, widerwillig die anderen. Die umliegenden katholischen St. Galler Gemeinden lehnen das verhasste «Ochsenbüchlein» entschieden ab. Sie drohen mit einer Strafaktion, die dann am Ostermontag zum Sturm auf Arbon eskaliert. Johann Heinrich Mayr, Leinwandkaufmann in der Bleiche, hinterlässt in seinen «Lebenserinnerungen» eine lebhafte Schilderung des dreisten Überfalls, der in eine wilde Schlägerei ausartet und bei der einige Ratsherren bös verletzt werden.

Kanonen herbeigeschafft

Am nächsten Tag tauchen die streitlustigen St. Galler erneut vor den Stadttoren auf. Dem verletzten Stadtschreiber Johann Ulrich Sauter gelingt es, die Gemüter zu beschwichtigen. Das Ultimatum des Franzosengenerals Schauenburg, die Verfassung sofort anzunehmen, dürfte dabei entscheidend geholfen haben. Und auch den St. Gallern bleibt schliesslich der Beitritt zur Helvetischen Republik nicht erspart. Weil weitere Unruhen befürchtet wurden, bietet die helvetische thurgauische Verwaltungskammer Hilfe und zwei Kanonen aus dem Kloster Fischingen an. Die klösterliche Waffenkammer ist reich bestückt, sind doch die geistlichen Würdenträger gleichzeitig auch für die politische und militärische Führung in ihrem Hoheitsgebiet verantwortlich. Die Kanonen, Kaliber 62 mm, werden 1692 in der Giesserei Füssli in Zürich hergestellt. Die beiden Wachtmeister Schär und Stoffel sind für die Überführung mit Pferdefuhrwerk nach Arbon verantwortlich, und die Transportkosten betragen 32 Gulden und 7 Kreuzer. Ihren ersten Einsatz erfahren die Kanonen beim Volksfest auf der Brühlwiese 1798 anlässlich der Huldigung des Volkes auf die helvetische Verfassung. Die Feuertaufe im Ernstfall bleibt ihnen erspart. Hingegen finden sie als Böllergeschütze bei Festanlässen immer wieder Verwendung, letztmals am kantonalen Musikfest 1937. In der Turmstube im «Römerhof» hängt ein altes Dokument, das exakt vorschreibt, wie die Chlöpferei unfallfrei vorzunehmen ist.

Hans Geisser, Quellen: Museum Arbon
Tagblatt Archiv, 11. April 2002

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