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Stadt Arbon

«Geschenk» Saurers und Heines

Der Arboner Weiher - ein geschichtlicher Rückblick. Mit den Diskussionen um die inzwischen abgeschlossene Ausbaggerung des Arboner Weihers taucht immer wieder die Frage seiner Entstehungsgeschichte auf. Ein geschichtlicher Rückblick.

In den vergangenen Wochen haben die Arboner Stadtväter das Ausbaggern des Weihers im Wäldli veranlasst. Enorme Mengen von angeschwemmtem Erdmaterial und Ablagerungen aller Art aus dem Feilen-, Hegi- und Fallentürlibach machen diesen aufwendigen Eingriff von Zeit zu Zeit nötig, um das Verlanden zu verhindern und Fischen und Wasservögeln ein Stück Lebensraum zu bewahren. Zusammen mit dem angrenzenden Laubgehölz, das den nahen Verkehrslärm abschirmt, wird er nun auch für Spaziergänger und Anwohner wieder eine gepflegte Oase der Ruhe mitten im Wohngebiet.

Erde und Bäume für Fabrik

Wie und wann ist denn der Weiher entstanden? Die Frage taucht immer wieder auf. 1898: Der Unternehmer Adolph Saurer (1841 bis 1920) schlägt Arnold Baruch Heine, der in St. Fiden bereits ein Stickereiunternehmen betreibt, vor, seine neue Fabrik in Arbon zu bauen. Obwohl Saurer das Vorkaufsrecht auf das grosse Grundstück an der neu gebauten St. Gallerstrasse zwischen Bahngeleise und Landquartstrasse besitzt, setzt er sich, zusammen mit Gemeindeammann Johannes Bär, Hotelier, bei der Bürgergemeinde als Eigentümerin dafür ein, das sumpfige Riedland als Bauplatz an Heine abzutreten. Zunächst ist jedoch die baureife Erschliessung nötig, das Terrain muss wegen des Seespiegels angehoben und gefestigt werden. Gewaltige Mengen von Erdmaterial werden vom Stacherholzgebiet herangekarrt und hunderte von eingeschlagen Fichtenstämmen sichern den Baugrund für die zukünftige Fabrik. Im Juni 1898 erfolgt der Spatenstich und schon zwei Monate später rattern die ersten Saurer-Stickmaschinen. Heine entwickelt sich in wenigen Jahren zur weltweit zweitgrössten Stickereifabrik mit 2200 Arbeitsplätzen und 2500 weiteren Beschäftigten in Zulieferbetrieben und Heimarbeitern (Feldmühle Rorschach ist die grösste).

Konsortium erstellte Park

Die aufstrebende Industriestadt Arbon erhält auf diese Weise den stattlichen Weiher. Noch fehlt ein damals begehrtes angrenzendes Waldstück mit Spazierwegen und Ruhebänken. Der Ortsgemeinde fehlt allerdings das dafür nötige Geld. Kurzerhand kauft ein Konsortium von elf Personen im Namen des Verkehrsvereins mehrere am Fallentürlibach und am Weiher liegende Grundstücke, forstet sie auf und erstellt eine prächtige Parkanlage. Der Bau des vorgesehenen Wildtierparkes übersteigt dann allerdings ihre finanziellen Möglichkeiten. Immerhin werden Schwäne und Zierenten im Weiher ausgesetzt. 1921 kauft die Ortsgemeinde das ganze Areal für 12 000 Franken.

Begehrtes Weiher-Eis

Den Weiher nutzt man vorerst für die gewerbliche Eisgewinnung zu Kühlzwecken, vor allem in den nach der Jahrhundertwende mehr als doppelt so zahlreichen Wirtschaften und Hotels der Stadt. Bald tummeln sich auch die ersten Schlittschuhläufer auf der glatten Eisfläche. Wieder ist es der schon damals rührige Verkehrsverein, der den Betrieb einer Eisbahn an die Hand nimmt. 1918 wird gar der Eisclub Arbon gegründet. Des oft zu milden Winters wegen besteht er allerdings nur während zehn Jahren.
*Der Autor dieses Beitrags präsidiert die Museumsgesellschaft ArbonQuellen: Museum Arbon (Im Museum im Schloss wird die Geschichte der Stickereifabrik Heine und des Schlittschuhlaufens an Exponaten und Dokumenten gezeigt.)

Hans Geisser, Quelle: Tagblatt Archiv, 18.April 2000

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