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Stadt Arbon

Verbleichte Blüte zurückerlangen

Realisierte und andere Bahnprojekte in der Region Arbon - Ein Blick in die Geschichte des öffentlichen Verkehrs. Die Möglichkeit, nach 140 Jahren bei einer 14-mal grösseren Einwohnerzahl über eine zweite Bahnhaltestelle in Arbon abstimmen zu können, hat vergleichsweise wenig Diskussionen ausgelöst.

Die Stimmberechtigten haben sich für die Haltestelle entschieden. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass um Bahnprojekte mitunter erbittert gerungen wurde. 1855 werden fast gleichzei- tig die Linien Winterthur-Rorschach der Vereinigten Schweizerbahnen sowie Winterthur- Romanshorn der Nordostbahn feierlich eröffnet. Noch fehlt ein Anschluss der Seegemeinden an diese Hauptverkehrsachsen. Eine Ostalpenbahn durch den Splügen- oder Lukmanierpass als europäische Hauptverkehrsachse ist das Fernziel beider Konkurrenten. An den beiden Varianten Rorschach-Arbon-Neukirch- Amriswil-Güttingen-Konstanz oder der so genannten «Dachrinne» dem See entlang erhitzen sich jahrelang die Gemüter.

Visionen und Ernüchterung

Erst 1869 dampft der erste Zug - nach einer Bauzeit von acht Monaten - von Romanshorn nach Rorschach. In Arbon wird er von der begeisterten Bevölkerung mit Kanonenschüssen, Triumphbogen, Kränzen, Ansprachen und Festwirtschaft empfangen. Die «Schweizerische Bodensee-Zeitung» schliesst ihren Bericht mit den Worten: «Der hiesigen Bevölkerung ist durch die Bahn ein Alpdruck von der Brust genommen. Arbon wird die seit der Leinwandblütezeit verbleichte Berühmtheit wieder erlangen und die von der Natur geschaffene herrliche Lage, an der schon der heilige Gallus sein Wohlgefallen gefunden hat, wird nicht verfehlen, manchen Reisenden zu einem längeren Aufenthalt hierorts zu verlocken.» Februar 1899. Ein hochkarätiges Komitee legt dem Bundesrat Pläne, Kosten- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen für zwei Schmalspurbahnen vor: Arbon- Roggwil sowie Arbon-Steinach-Horn-Tübach-Goldach- Rorschach-Staad. Dem «Comitée der electrischen Strassenbahnen» gehören u.a. die Herren Brown und Boveri, Baden, Gemeindeammann Günther, die Fabrikanten Saurer und Huber-Zollikofer, Hotelier Baer und Pfarrer Keller aus Roggwil an. Der Bundesrat lehnt ab, doch bereits wirft ein neues Projekt seine Schatten. Oktober 1911. Erneut hat der Bundesrat über ein Bahngesuch zu entscheiden, diesmal ist eine Kommission aus Rorschach federführend. Eine Strassenbahn, Rundbahn genannt, soll es diesmal sein: Rorschach-Goldach-Mörschwil-St. Gallen-Kronbühl-Wittenbach-Roggwil-Arbon-Steinach-Horn-Rorschach. Arbon lehnt mit folgender Begründung ab: «Die offizielle Verkehrskommission Arbon steht mitten im Studium einer elektrischen Tramverbindung Arbon- St. Gallen sowie im Untersuch der Veränderungen, welche eine zukünftige Rhein-Bodensee-Schifffahrt für Arbon bringen könnte.» Bereits liegen Pläne für einen Industriehafen in der Steinacherbucht vor. Horn und Roggwil sagen ebenfalls Nein.

Zwischenspiel mit Autobussen

Der Stickereibaron Heine erwirkt 1904 die Bewilligung für einen Autobusbetrieb, um seinen rund hundert in Freidorf wohnenden Stickern den Weg zur Arbeit zu erleichtern. Nach den abgelehnten Bahnprojekten wittert Adolph Saurer Morgenluft. Während mehrerer Wochen sammelt er 1911 Erfahrungen mit einem fahrplanmässigen Autobusbetrieb zur Station Roggwil-Berg der 1910 eröffneten Bodensee-Toggenburg-Bahn. Dem erfolgreichen Versuchsbetrieb bleibt die Bewilligung ebenfalls versagt.

Letzte Versuche

November 1913. Erneut hat der Bundesrat ein Konzessionsgesuch Arbons auf dem Tisch. Vorgesehen ist eine Schmalspurbahn für Personen- und Gütertransport (Tramway) Arbon- Roggwil-Kronbühl-St. Gallen auf der neuen Staatsstrasse. Der Schlusssatz der ausführlichen Unterlagen stimmt zuversichtlich: «Die vorliegende, auf möglichst objektiven, keineswegs optimistischen Schätzungen beruhende Betriebsrechnung lässt erkennen, dass die Bahn unter allen Umständen im Stande sein wird, sich selber zu erhalten.» Der Konjunktureinbruch in der Stickerei und die drohende Kriegsgefahr mögen dem Bundesrat den Entscheid zur erneuten Ablehnung erleichtert haben. Dezember 1919. Der 1. Weltkrieg ist vorbei. Noch einmal schliessen sich Persönlichkeiten um Gemeindeammann Günther zu einem Komitee zusammen. Da und dort finden Informationsabende statt, so auch in Kronbühl. Der «Oberthurgauer» berichtet: «In erfreulicher und ermutigender Weise hatten sich trotz wildem Schneegestöber viele Zuhörer eingestellt. Dass die Arboner sogar mit einem Männerchor aufrückten, machte Stimmung.» Die Zeit der Regionalbahnen ist jedoch endgültig vorbei. Wie zum Trost erhält Arbon 1923 wenigstens die Postautolinie Arbon-St.Gallen. Sie sollte sich zu einer der best frequentierten im Land entwickeln.

Hans Geisser, Quellen: Historisches Museum im Schloss Arbon
Tablatt Archiv, 17.12.2005

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