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Stadt Arbon

Heines Aufstieg und Fall

Adolph Saurer veranlasst 1898 den Deutschamerikaner Arnold Baruch Heine, von St. Gallen nach Arbon zu ziehen und eine Stickerei-Industrie aufzubauen. Damit auf dem Sumpfboden südlich der neuerstellten St. Gallerstrasse gebaut werden kann, muss das Terrain angehoben und müssen Tausende von Fichtenstämmen versenkt werden. Als Auffüllmaterial dient der Weiheraushub. So erhalten die Arboner ihren damals grösseren Weiher im ehemaligen Stacherholz.

Innert weniger Jahre baut er mit echt amerikanischer Risikofreude die weltweit zweitgrösste Stickereifabrik auf. (Feldmühle Rorschach ist die grösste.) Er beschäftigt 2200 Mitarbeiterinnen und 2500 in Zulieferbetrieben und als Heimarbeiter. Die Fabrik ist völlig autark: eigenes Elektrizitätswerk, noch vor dem städtischen EW, eigenes Wasserwerk, eigene Rollbahn im Fabrikgelände, Bahnanschluss, eigene Lokomotive usw. Der gesamtschweizerische Exportumsatz setzt sich noch 1913 wie folgt zusammen: Stickereiprodukte 218 Mio. Uhrenindustrie 187 Mio. Maschinenindustrie 115 Mio. Dabei ist nahezu die ganze Stickerei-Industrie in der Nordostschweiz zu Hause. Dem kometenhaften Aufstieg Heines folgt leider bald der ebenso jähe Niedergang. Mehrmals werden massive Kapitalerhöhungen nötig. Unverkaufte Lagerbestände in Millionenhöhe sind erste ernsthafte Krisenzeichen. Hohe Schutzzölle in vielen Ländern blockieren den Export.

Rascher Niedergang

Heine wird die Geschäftsleitung entzogen, und schon 1911 wird der Firmenname in Stickereiwerke AG geändert. Heine stirbt 1923 vereinsamt in einem Männerheim in Wiesbaden. Das ehemalige Heine-Unternehmen erholt sich nicht mehr aus der Krise. Die Seeriet AG Horn übernimmt 1919 die Bleicherei und Ausrüsterei, Carl Hamel aus Sachsen eröffnet 1923 im noch leeren Teil der Fabrik eine Zwirn- und Spinnmaschinenfabrik, die sich über Jahrzehnte erfolgreich entwickelt.Die arg geschrumpften Stickereiwerke AG schliessen 1926 endgültig. Neue Aktionäre kaufen 1929 die Seeriet AG, und unter der Führung von Heberlein & Cie., Wattwil, wird mit Millionen- investitionen eine Kunstseidefabrik eingerichtet, die Novaseta AG («Neue Seide»), die schon 1931 schliessen muss. Ihre Kunstseide bewährt sich nicht.

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