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Stadt Arbon

Jubiläum in Orange

50 Jahre Arbonia AG: Ohne das kleine Pflänzchen, das 1954 zu spriessen begann, gäbe es heute keine Arbonia-Forster-Gruppe.

Der gestrige Tag blickte zwar meteorologisch ausgesprochen trüb- grau drein. Dennoch dominierte im Werkgelände der Arbonia AG die Wärme assoziierende Farbe Orange: beim Aufgang in die Halle, drinnen die verschiedenen Dekorelemente, das Podium - was bis hin zu Hemdkragen und Krawatte der Gastgeber das Behaglichkeit verströmende Bild abrundete.

Kapital und Stahl

Geladen hatte die Arbonia zu ihrer Jubiläumsfeier. Just am ersten windig-kühlen Herbsttag, wo man unweigerlich - und beim Blick auf die Raumwärmer-Modellpalette sowieso - wieder ans Heizen denkt. Diese Fügung ist symbolträchtig, hat doch die Arbonia vor fünfzig Jahren damit begonnen, Radiatoren herzustellen. Produkte also, erinnerte CEO Edgar Oehler in Festlaune, die damals in Zeiten, als Europa im zaghaften Neuaufbau begriffen war und das physische Überleben noch einen anderen Stellenwert hatte, elementar waren, den Wohnkomfort zu erhöhen und den Wohlstand mitzubegründen. Dieses kleine Pflänzchen also erwies sich als der Kern des heute multinationalen Konzerns AFG mit 5000 Beschäftigten. «Es war», so Oehler, «die eigentliche materielle Grundlage der Holding.» Kapital und Stahl habe es gebraucht für den Firmenaufbau. Doch vier Jahre nach der Gründung dümpelte die Firma in ernsthaften Schwierigkeiten. Metzgermeister Jakob Züllig, der die spätere Geschichte und das Wachstum der Firma bis weit in die Neunzigerjahre als herausragende Unternehmerpersönlichkeit prägen sollte, riskierte 1958 die Übernahme der maroden Arbonia. Er rettete sie vor dem Konkurs und brachte sie im Soge des Baubooms zur Blüte. «Sie war sein Werk», huldigte der heutige AFG-Patron dem 1999 verstorbenen «Urtypus des Unternehmers», der vor knapp dreissig Jahren den Röhrenlieferanten Forster übernahm, als dieser in Schwierigkeiten steckte. Abermals schilderte Oehler den AFG-Macher Züllig als Pionier, diesmal europaweit, als er, kaum fiel der Vorhang zum Osten, im sächsischen Riesa einen Markstein setzte und ein weiteres Tor im europäischen Markt öffnete.

In der Champions League

Mit der Akquisition der Kermi-Gruppe sei dann «der Sprung in die Champions League der Branche gelungen», resümierte Oehler die Geschichte eines Wirtschaftsmärchens, das an der Arboner Friedenstrasse begonnen hatte und nächstens in der Eröffnung einer Fabrik mit 750 Arbeitsplätzen im tschechischen Stribro im vorläufig letzten Kapitel gipfelt. Unternehmerischer Geist, zukunftsträchtige Ideen und eine engagierte Belegschaft haben es geschrieben. Der Wettbewerb sporne an, noch bessere Produkte zu fertigen und damit den Kundennutzen zu erhöhen, sieht sich auch Edgar Oehler diesem Credo verpflichtet.

Gute Ware lobt sich selbst

Der «expansive Weg von der Stunde null an» zeige, dass «Tradition mit Zukunft» als Erfolgsformel nicht im Widerspruch zueinander stehen, betonte Roger Schönborn, Mitglied der Divisionsleitung Heiztechnik/Sanitär. Weil man sich innovativ in einem Käufermarkt bewege, sei Arbonia keine seelenlose Marke, verdeutlichte Schönborn an der Vielzahl landesspezifischer Produkte. «Gute Ware lobt eben sich selbst», kam da dem Thurgauer Regierungspräsidenten Claudius Graf-Schelling in den Sinn, der übrigens mit Vize Roland Eberle die Arboner Jubilarin beehrte. Wärme als Grundbedürfnis: Hinter dem Erfolg stünden Menschen: von der Werkhalle bis an die Verkaufsfront. Und prägende Figuren wie Jakob Züllig mit seiner Gradlinigkeit und Konsequenz, den er, Graf, als Bube in dessen Erstberuf noch gekannt habe. Und heute Edgar Oehler - «ein Patron mit Augenmass, Tiefenschärfe und Wirklichkeitsbezug». Mosaiksteine der Geschichte schliesslich trug der Arboner Ortshistoriker Hans Geisser zusammen, bevor die internationale Jubiläumsgesellschaft dem Raddampfer «Hohentwiel», wo das Diner wartete, zustieg.

Max Eichenberger, Quelle: Tagblatt Archiv, 24. September 2004

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