Freie Reichsstadt, aber kein Kanton Arbongau
Arbon durchschritt von 378 bis ins Jahr 1800 Höhen und Tiefen. Anton Hopp beschrieb vor der Museums-Gesellschaft historische Ereignisse aus allen Jahrhunderten.
Für den Herbstvortrag stellte sich Anton Hopp zur Verfügung. In Arbon aufgewachsen, war er Bischofsvikar in Solothurn sowie Pfarrer in Schaffhausen und in Kreuzlingen. Die Pfarreien, in denen er aushilft, schätzen seine Predigten. Hopp verfasste eine Geschichte des Klosters Kreuzlingen, wo er auch ein Kirchenmuseum einrichtete. Kürzlich erschien von ihm «Gottes Männer im Thurgau.» Das Werk über das kirchliche Leben vom Mittelalter bis zur Gegenwart bestätigt seine historische Forschung.
Vergnügliche Randbemerkung
Die Freude an Arbon sei seit langem gedämpft, meinte Hans Geisser bei der Eröffnung des Abends. Was uns aber heute ungeheuer beschäftige, sei in 50 Jahren nicht mehr als eine Randbemerkung. Das Publikum schmunzelte, als Anton Hopp bemerkte, der Zusammenschluss Arbon-Frasnacht, 1998, sei eine Rückführung zu alten Zuständen: Arbon wie auch Fraxinetum, Feilen und weitere Weiler lagen im Arbongau (zwischen 744 und 878 urkundlich bezeugt, er reichte bis zum Säntis und ins Rheintal), sie gehörten somit schon zur Zeit der römischen Eroberung und der alemannischen Besiedlung zusammen. Ein Kanton Arbongau sei nicht entstanden, Hopp las aber eine lateinische Arbongau-Hymne aus der Zeit um 800 vor. Arbona bedeutete «Segnung am Wasser». Arbon wurde unter den Römern zu Arbor felix. Sie fanden in Arbon entweder Kelten oder rätische Einwanderer vor.
Kaiser Gratian in Arbon
378 unternahmen die Römer den letzten Feldzug gegen die Alemannen. Kaiser Gratian zog 401 via Arbon nach Osten. Mit dem kaiserlichen Besuch klopfte Anton Hopp den Heimatstolz seiner Zuhörerschaft heraus. Wann wurde in Arbon das letzte romanische Wort gesprochen? Das wisse man nicht, doch sei aus dem frühen Kloster St. Gallen bekannt, dass das romanische Wort «caldo», heiss, mit dem alemannischen kalt verwechselt wurde. 690, als Arbon überfallen wurde, floh die romanische Bevölkerung zur Zelle von Gallus. Einige alte Berichte enthalten Unsicherheiten. Dass der Arboner Tribun bei der Errichtung der Zelle für Gallus geholfen hat, ist glaubhaft. Doch die Arboner hatten brutale Sitten: als sie einen Holzdieb erwischten, schlugen sie ihm ein Bein ab. 1255 gab der Bischof von Konstanz Arbon das Stadtrecht. Um 1262 verbrachte der «schöne und gebildete Jüngling Herzog Konradin» zwei Jahre in Arbon. 1266 bestätigte er der Stadt «für ewig unser echtes Geschenk der Freiheit.» Kaiser Ludwig machte Arbon 1335 zur freien Reichsstadt. Trotz Urkunden zerfielen die Rechte schon bald wieder.
Hedy Züger, Quelle: Tagblatt Archiv, 8. November 2004
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