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Stadt Arbon

600 Arbeitslose

Der Niedergang der Stickerei lässt sich nicht mehr aufhalten. Saurer stellt die Stickmaschinenfertigung ein. Lastwagen sind nicht mehr gefragt. In der allgemeinen Stimmung «nie wieder Krieg» verkauft die Armee die Lastwagen an Private. Bis Ende 1923 sind bis zu 600 Arboner arbeitslos. Über das Krisenfürsorgeamt versuchen Kirchen und Verwaltung die grösste Not zu lindern. Die Einwohnerzahl sinkt kontinuierlich bis 1941 auf 7900. Die Gemeindebehörde und die Stimmbürger verhalten sich antizyklisch. Als Notstandsarbeiten werden zwischen 1919 und 1923 wichtige Bauwerke von bleibendem Wert bis heute erstellt: Die Quaianlagen vom Hafendamm bis zur Aachmündung, Hafen und Stadtpark mit Pavillon, Saalbach, Fallentürlibach und Aach werden neu verlegt, das Kanalisationsnetz erneuert. Viele Arbeitslose finden so Beschäftigung und einen gewissen Erwerbsersatz.

1924 setzt weltweit ein neuer Wirtschaftsaufschwung ein. Unter der tatkräftigen Leitung von Hyppolit Saurer werden als neues Standbein Breitwebmaschinen hergestellt. Sie entwickeln sich zum starken Produktionszweig und sorgen während Jahrzehnten für gute Auslastung. Der Dieselmotor verdrängt den Benziner im Lastwagenbau. Omnibusse und grosse Gesellschaftswagen finden europaweit Absatz. Spanien wird nebst den osteuropäischen Ländern zum wichtigsten Exportkunden. Die Bauwirtschaft meldet Vollbeschäftigung. Kleinbetriebe und Detailhandel profitieren erneut im Sog der Grossen.Der «Schwarze Freitag» im Oktober 1929 an der New Yorker Börse stürzt die Wirtschaft weltweit in eine neue Krise. Unser Land gerät jäh in den unheilvollen Sog. Wieder werden Hunderte arbeitslos. Als Notstandsarbeit veranlasst die Behörde den Bau des Strandbades im Buchhorn. Das Gemeindeamt für Krisenfürsorge vermittelt Lebensmittel und Heizmaterial an notleidende Familien. Kleine und grosse Unternehmen müssen Kurzarbeit einführen. Ein neues Bemessungssystem für Akkordarbeit löst Streiks bei Saurer aus. Die zunächst erstaunlichen Resultate des Faschismus in Italien und das Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland sorgen für politischen Zündstoff. Das Gedankengut der Nazis findet auch bei uns vorübergehend da und dort Nährboden in der Frontenbewegung. In Arbon, Romanshorn und Amriswil und vor allem in St. Gallen werden Naziorganisationen aktiv. Die Thurgauer Arbeiterzeitung setzt sich engagiert dagegen ein. Zusammen mit dem «Nebelspalter» wird sie als erste auf die «Schwarze Abschussliste» der Nazis gesetzt, nachdem sie dank vielen Lesern in Deutschland ihre Auflage vervielfachen konnte. Und ihr Redaktor Ernst Rodel ist zeitlebens stolz auf seinen Spitzenplatz auf dieser makabren Liste.1936 erfolgt eine massive Abwertung des Schweizer Frankens. Die Chancen für Exportgeschäfte werden wieder besser. Obwohl der Bundesrat Prämien für jede abgebrochene Stickmaschine zahlt, beschliesst Hyppolit Saurer weitsichtig die Wiederaufnahme der Forschung für modernste Stickmaschinen. Sein früher Tod 1936 ist ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Eine neue weltweite Rüstungswelle sorgt für wirtschaftlichen Aufschwung, auch bei uns. Saurer erhält Armeeaufträge und baut geländegängige Lastwagen und Flugmotoren. Erstmals seit Jahren meldet der Kanzleibericht: Keine Arbeitslosen.

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